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Donnerstag, 01.06.2006
Die "Leitkultur"
des Ministerpräsidenten Roland Koch

......und morgen die ganze Welt?
Von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt ließ Hessens Ministerpräsident Koch auf dem 98. Landesparteitag der CDU Hessen nach seiner Wiederwahl zum Landesvorsitzenden im Siegestaumel seinen Gefühlen freien Lauf. Bei solchem Anlaß hielt er es für angemessen, sich unter anderem zu einem seiner Lieblingsthemen, der "deutschen Leitkultur" zu äußern. Mit vermutlich erhöhtem Adrenalinspiegel - in vino veritas - ging er dabei in die Vollen:
"Die Fußball-WM biete Anlaß, Über Stolz zu reden: "Wir Deutschen wollen Weltmeister werden", was nicht nur für den Fußball gelte, sondern "überall"

( Frankfurter Rundschau vom 22. 05.2006, zitiert nach SPIEGEL ONLINE vom 29. 05. 2006 )

Und dann gab es kein Halten mehr:
"Wir müssen die Fähigkeit haben, zu sagen, was unsere Identität ist. Deutschland sei kein Einwanderungsland wie Amerika, wo von der ursprünglichen Kultur der Indianer nichts mehr übrig sei. Man könne einfach sagen:"Wir sind mehr als Indianer".

( Frankfurter Rundschau vom 22.05.2006, nach SPIEGEL ONLINE vom 29. 05. 2006 )

Nicht nur, daß Herr Koch es für richtig hält, durch eine solchermaßen geschichtsverfälschende Gleichsetzung des seinerzeitigen militärisch organisierten Völkermords an den nordamerikanischen Indianern mit der friedlichen Zuwanderung verschiedenster Menschen in die Bundesrepublik Deutschland in unserer Bevölkerung völlig unbegründete Ängste vor einer vergleichbaren physischen Vernichtung durch Migranten jeglicher Herkunft zu wecken und damit letztendlich primitivsten Rassenhass zu predigen.

Herr Koch stellt sich damit auch zumindest verbal in eine Reihe mit jenen kahlköpfigen Schlägertrupps, welche aktuell gerade sattsam Aufsehen damit erregen, allen, die aus ihrer Sicht angeblich nur soviel sind, wie die von Herrn Koch genannten "Indianer", jenes Koch'sche "deutsche Mehr" mit nackter Gewalt einzubläuen, gelegentlich auch bis zum bitteren, tödlichen Ende. Weitergehend ermutigt er darüber hinaus auch deren ideologische Gefolgschaft mit seinem quasi "regierungsamtlichen Segen", nicht nur auf dem extrem rechten, sondern dem "richtigen" Weg zu sein, womit er erheblich dazu beiträgt, das in diesem nationalen Sumpf bestehende Gewaltpotential zu stärken.

Ebenso wie der zweifelhafte "Stolz, Deutscher zu sein", gehört solches Schwadronieren über deutsches Übermenschentum seit jeher zum ureigenen ideologischen Rüstzeug der alten und neuen Nazis in diesem Land. Wortgetreu kann man demgemäß im Programm des sächsischen Landesverbandes der NPD nachlesen:
"Deutschland ist ebenso wenig ein Einwanderungsland wie der Freistaat Sachsen.... Wir wissen: Die indianischen Völker konnten die Zuwanderer nicht stoppen. Jetzt leben sie in Reservaten. Weil wir unseren Kindern das ersparen wollen, wehren wir uns, bevor es zu spät ist."

( zitiert nach SPIEGEL ONLINE vom 29. 05. 2006, das Zitat stimmt, ich weigere mich aber, auf meiner Seite einen Link zum Original zu setzen )

Wenngleich sich angesichts eines solch erschreckenden Gleichklangs die Frage aufdrängt, ob Herr Koch wirklich ein ( ggf. neuer oder alter ) Nazi ist - die Entscheidung hierüber bleibt dem mündigen Leser überlassen -, so zeigt eine solche Entgleisung(?) zumindest mehr als deutlich den schmalen Grat, auf welchem die dem heutigen Mainstream entsprechende marktradikale Ideologie des Neoliberalismus, als deren Apologet Herr Koch durchaus genannt werden kann, zwischen Faschismus und Größenwahn laviert.

Wenn Herr Koch in solchem Kontext wünscht, Deutschland möge "überall" Weltmeister werden, bleibt nur zu entgegnen: Nein, danke - eine solche "Leitkultur" hatten wir schon einmal in der Geschichte, das genügt für Deutschland und für die gesamte restliche Welt sowieso.

"Stolz" auf den Zufall deutschstämmiger Geburt, der nur als Rassismus bezeichnet werden kann, überkommt mich ohnedies nicht, aber anläßlich solcher Vorkommnisse befällt mich eher eine abgrundtiefe Scham , in einem Land zu leben, in dem sich eine Mehrheit meiner Mitbürger einst so weit einseifen ließ, einen solchen geistigen Brandstifter zum Ministerpräsidenten zu wählen.

Doch es besteht noch Hoffnung:
2008 ist wieder Landtagswahl
Dann kann es unabhängig von der Parteizugehörigkeit für jeden Menschen nur einen Wunsch geben:
Koch muß weg
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Wer in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören,

1. zum Haß gegen Teile der Bevölkerung aufstachelt oder zu Gewalt- oder Willkür- maßnahmen gegen sie auffordert oder

2. die Menschenwürde anderer dadurch an- greift, daß er Teile der Bevölkerung be- schimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet,

wird mit Freiheits- strafe von drei Mo- naten bis zu fünf Jahren bestraft.

( § 130 Abs. 1 StGB (Strafgesetzbuch der Bundesrepublik Deutschland)
"Volksverhetzung" )

Ostermarsch 2010 in Stuttgart

1999, Beograd brennt
"für die Menschenrechte"
Jetzt für alle
gutgläubigen
Bundesbürger:
..und Tschüß
NSA..
Danke